Steve Grundmann - Barrierefrei

Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit

Zwei Trendthemen – enger miteinander verknüpft, als es scheint.

Ein Bericht von Dr. Steve Grundmann

Wie wird Barrierefreiheit im Wohnungsbau definiert? Die Kernaussage aus diversen Landesbauordnungen, wie barrierefreie Wohneinheiten beschaffen sein müssen:
Der Wohnraum muss für alle Menschen, unabhängig von körperlicher Verfassung und Alter, ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sein. Barrierefreiheit bezieht sich auf den gesamten bebauten Raum, den öffentlichen und den privaten, und bezieht sich somit nicht nur auf einzelne Wohneinheiten sondern auch auf Städte und (Stadt-)Quartiere.
Es geht um eine Stadtentwicklung für alle.

Nachhaltigkeit hat auch eine soziale Komponente:

Viele Bauträger und Berater innerhalb der Immobilienbranche möchten sich dem komplexen Thema Nachhaltigkeit widmen und haben dabei Schwierigkeiten, dieses auch
greifbar zu gestalten und anhand konkreter Maßnahmen umzusetzen. Die Diskussion rund
um dieses Thema wurde in den vergangenen Jahrzehnten innerhalb der Baubranche häufig
lediglich auf die ökologische Dimension reduziert. Diese Gewichtung und die Konzentration
auf entsprechende Nachhaltigkeitsziele, wie z.B. umweltverträgliches und energieeffi-zientes Bauen, wurden durch gesellschaftliche und tagespolitische Diskussionen (z.B. Klimawandel) und die Etablierung von Fördermitteln im Umweltbereich gestärkt. Wer heute weitsichtig denkt, der erkennt, dass die Reduktion des Begriffes Nachhaltigkeit nur auf Themenbereiche der Energieeinsparung sowie der Energieeffizienz zu kurz gegriffen ist. Wahre Nachhaltigkeit birgt natürlich auch eine soziale Komponente. Nicht zu vernachlässigen sind die volkswirtschaftlichen Aspekte, die zur Schaffung neuer Arbeitsplätze und sowie der Reduktion der Kosten im Versicherungs- und Gesundheitswesen beitragen, da Menschen länger in ihren eigenen vier Wänden wohnen bleiben können.

Im Kontext der Diskussionen um die demographische Entwicklung und die älter werdende Gesellschaft in Mitteleuropa gewinnt das Thema „Barrierefreiheit“ zunehmend an Brisanz.
Was den Bedarf betrifft, so wird durch Studien deutlich, welchen Druck diese Entwicklung auf den Wohnungsmarkt ausübt. In Deutschland ist inzwischen von einem Bedarf von 2,5 Millionen altersgerechten Wohnungen die Rede. Davon sind wir weit entfernt.

Orientiert man sich in der Stadtentwicklung an einer ganzheitlichen Nachhaltigkeit nach dem Drei-Säulen-Prinzip (Ökologie, Ökonomie und Soziales), so ist Barrierefreiheit ein wichtiger Baustein der sozialen Säule. Zur Entwicklung zukunftsfähiger Wohnungen und Städte ist Barrierefreiheit unabdingbar. Mit der Realisierung barrierefreier Wohneinheiten im Kontext einer Nachhaltigkeitsstrategie könnte ein entscheidender Mehrwert für alle Akteure erzielt werden.

Auf lange Sicht effizient

Ein Blick auf die Kostenstruktur macht deutlich, dass im Neubau bei vorausschauender und bewusster Planung die Mehrkosten – gemessen am Gesamtvolumen – minimal sind. Wobei dies auch von den individuellen Bedürfnissen, dem technischem Aufwand und den Grundrissmodifikationen beeinflusst wird. Dabei darf man nicht außer Acht lassen, dass eine barrierefreie Wohneinheit neben Komfort und einer höheren Flexibilität auch einen höheren Wiederverkaufswert aufweist. Durch die höhere Attraktivität und die ohnehin starke Nachfrage nach Wohnraum steigen nicht nur die Chancen auf einen Wiederverkauf, sondern es reduziert auch den Zeitraum für einen Wiederverkauf.

Zur Person:

Dr. Steve Grundmann ist Wirtschafts- und Stadtgeograph. Mit der Agentur für ganzheitliches, barrierefreies und nachhaltiges Management gabana in Ellmau berät er Unternehmen, Kommunen und (Fach-)Verbände aus Bauwirtschaft und Tourismus rund um
das Thema Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit.

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